Schritt 1: alle Schulden auf eine Liste

Schulden wirken oft größer, solange sie ungeordnet sind: der Dispo, eine Handyrate, zwei offene Rechnungen von „später zahlen“, Geld von der Mitbewohnerin. Leg eine Liste an, auf Papier oder in einer Tabelle.

Hol dafür Kontoauszüge, Verträge, Mahnungen und Inkassobriefe zusammen und notiere zu jeder Schuld:

  • Gläubiger: wem du Geld schuldest, mit Aktenzeichen oder Vertragsnummer.
  • Betrag: was noch offen ist, getrennt nach Hauptforderung, Zinsen und Kosten.
  • Zins: effektiver Jahreszins oder Dispozins laut Vertrag und Kontoauszug.
  • Rate und Frist: was wann fällig ist und ob schon gemahnt wurde.
  • Folgen: Was passiert, wenn du nicht zahlst? Kündigung, Sperre, Inkasso?
Beispiel: die Schuldenliste von Person CFiktiv, erste eigene Wohnung in Deutschland. Bleibt der Dispo ein Jahr lang bei 1.200 €, kostet er bei 9,40 % rund 113 € Zinsen.
Dispo laut Kontoauszug
1.200,00 €
Handy auf Raten, noch acht Raten zu 45 €
360,00 €
Zwei offene Rechnungen „später zahlen“
89,00 €
Geliehen von einer Freundin
150,00 €

Schulden insgesamt1.799,00 €

Schritt 2: was zuerst bezahlt wird

Nicht jede Schuld ist gleich gefährlich. In Deutschland sollen laut Schuldnerberatung Miet-, Energie- und Krankenkassenschulden sowie Geldstrafen und Bußgelder in aller Regel vor Kreditschulden bezahlt werden.

Bei einer unbezahlten Geldstrafe droht sogar eine Ersatzfreiheitsstrafe. Die Verbraucherzentrale nennt Miete, Energie und Lebensmittel existenziell wichtig.

In Österreich spricht die Schuldenberatung von „gefährlichen Schulden“: Mietrückstände, offene Energierechnungen, Strafen und Unterhalt.

Danach zählt der Zins. Was am meisten kostet, zahlst du schneller ab, bei allen anderen hältst du die vereinbarte Rate ein.

So sinken die Gesamtkosten am stärksten. Setz dafür deinen Monatsplan auf: Was nach Miete, Energie, Essen und festen Kosten bleibt, ist der Betrag, den du realistisch für Schulden hast. Mehr zu versprechen, führt nur zur nächsten Mahnung.

Schritt 3: den Dispo ablösen

Der Dispo ist bequem, aber teuer. Überziehungskredite kosteten in Deutschland im Juli 2026 im Schnitt 9,40 % im Jahr.

In Österreich lag der Zins für bestehende revolvierende Kredite und Überziehungen privater Haushalte laut Nationalbank bei 5,72 %. Einzelne Banken verlangen deutlich mehr, dein Satz steht auf dem Kontoauszug.

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät, bei dauerhaftem Dispo einen günstigen Ratenkredit zu suchen. Die Arbeiterkammer Steiermark rät ebenfalls, das Konto mit einem Kredit auszugleichen.

Das lohnt sich nur, wenn der effektive Jahreszins klar unter deinem Dispozins liegt; im deutschen Schnitt kosteten neue Konsumentenkredite im Juli 2026 effektiv 8,58 %. Dazu kommt die feste Laufzeit: Ein Ratenkredit endet mit der letzten Rate, der Dispo läuft weiter, solange du ihn nutzt. Wie du ein Angebot liest, steht im Beitrag zu Kredit, Dispo und Ratenkauf.

Deutschland: Nutzt du den Dispo sechs Monate ununterbrochen und im Schnitt zu mehr als 75 % des Rahmens, muss dir die Bank eine Beratung anbieten. Bei einer geduldeten Überziehung ohne Rahmen gilt das nach mehr als drei Monaten, wenn das Minus die Hälfte deines monatlichen Geldeingangs übersteigt.

Schritt 4: mit Gläubigern reden

Warte nicht, bis Inkasso oder Gericht kommen. Melde dich beim Gläubiger, sobald du eine Rate nicht zahlen kannst, und schlag eine Ratenzahlung vor, die zu deinem Monatsplan passt.

Halte Vereinbarungen schriftlich fest. Die Verbraucherzentrale rät, dabei schriftlich festzulegen, dass deine Zahlungen zuerst auf die Hauptforderung, dann auf die Zinsen und zuletzt auf die Kosten angerechnet werden.

Prüf jede Forderung, bevor du zahlst: Stimmt der Betrag, kennst du den Gläubiger, ist sie vielleicht verjährt? In Deutschland beträgt die regelmäßige Verjährungsfrist drei Jahre ab dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.

In Österreich gelten drei Jahre etwa für Lieferungen, Leistungen und Miete, für die Rückzahlung eines Darlehens 30 Jahre. Vorsicht: Wer auf eine zweifelhafte Forderung auch nur einen kleinen Betrag zahlt, erkennt sie womöglich an.

Inkassokosten sind begrenzt. In Deutschland darf bei einer unbestrittenen Forderung im Regelfall nur eine Gebühr mit dem Satz 0,9 verlangt werden, und die Verbraucherzentrale prüft Inkassoforderungen online kostenlos.

In Österreich legt eine Verordnung Höchstsätze für Inkassobüros fest, laut Arbeiterkammer dürfen Kosten nur verrechnet werden, wenn sie notwendig und verhältnismäßig sind.

Wenn gepfändet wird

Deutschland: Auf einem Pfändungsschutzkonto (P-Konto) bleibt ein Grundbetrag geschützt, seit 1. Juli 2026 sind das 1.590 € je Kalendermonat. Du kannst jederzeit verlangen, dass dein Girokonto als P-Konto geführt wird.

Die Umwandlung muss kostenlos sein, bei einer schon laufenden Pfändung spätestens nach vier Geschäftstagen.

Österreich: Ein Teil deines Einkommens ist als Existenzminimum geschützt, der allgemeine Grundbetrag liegt 2026 bei 1.308 € im Monat. Wie viel genau geschützt bleibt, hängt von Einkommen, Sonderzahlungen und Unterhaltspflichten ab.

Wird dein Konto gepfändet, kannst du beim Exekutionsgericht beantragen, die Pfändung aufzuheben, soweit das Guthaben geschützt ist. Die Bank zahlt gepfändetes Guthaben frühestens 14 Tage nach Zustellung aus, handle also schnell und hol dir Hilfe.

Kostenlose Hilfe und der letzte Weg

Deutschland: Es gibt rund 1.400 anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen. Soziale Beratungsstellen werden gefördert und können deshalb kostenlos beraten, Verbraucherzentralen verlangen teils Gebühren, etwa 30 € für 30 Minuten.

Die Stellensuche auf meine-schulden.de hat einen Filter für kostenfreie Beratung. Österreich: In jedem Bundesland gibt es eine staatlich anerkannte Schuldenberatung, in Oberösterreich zwei. Die Beratung ist kostenlos.

Vorsicht bei gewerblichen Schuldenregulierern, die versprechen, dass du nur noch eine einzige Rate an sie zahlst. Die Verbraucherzentrale warnt vor solchen Angeboten. Kostenlose Hilfe bekommst du bei den sozialen Beratungsstellen und in Österreich bei den staatlich anerkannten Schuldenberatungen.

Geht gar nichts mehr, prüft die Beratungsstelle mit dir ein Insolvenzverfahren. In Deutschland ist die Restschuldbefreiung für Anträge seit 1. Oktober 2020 nach drei Jahren möglich.

In Österreich gibt es für Privatpersonen seit 17. Juli 2026 nur noch das Abschöpfungsverfahren mit fünf Jahren. Daneben gibt es den Zahlungsplan, der sich am pfändbaren Einkommen der nächsten drei Jahre orientiert.

Orientierung, keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Restklar empfiehlt keine Produkte und keine Anbieter. Zinsen, Beträge und Regeln ändern sich; maßgeblich sind Gesetz, Vertrag und die verlinkten Stellen. Keine Schuldnerberatung: Die kostenlosen Stellen findest du im letzten Abschnitt.

Quellen und Einordnung

Veränderliche Preise, Fristen und Regeln sind mit Prüfdatum und Geltungsbereich angegeben. Prüfe sie vor einer Entscheidung noch einmal bei der verlinkten Stelle.

  1. meine-schulden.de: KrediteDeutschland; Stand 20. Dezember 2024, abgerufen am 25. September 2026. Miete, Energie, Krankenkasse, Geldstrafen und Bußgelder in aller Regel vor Kreditschulden.
  2. meine-schulden.de: Was passiert, wenn ich meine Schulden nicht zahle?Deutschland; Stand 9. Juli 2026, abgerufen am 25. September 2026. Geldstrafen vorrangig wegen drohender Ersatzfreiheitsstrafe.
  3. Verbraucherzentrale: Finanzieller EngpassDeutschland; Stand 27. Januar 2026, abgerufen am 25. September 2026. Miete, Energie und Lebensmittel vorrangig bezahlen.
  4. Dachverband der Schuldenberatungen: FAQÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Gefährliche Schulden zuerst, kostenlose staatlich anerkannte Stellen, seit 17. Juli 2026 nur Abschöpfungsverfahren mit fünf Jahren, Zahlungsplan.
  5. Bundesbank: MFI-ZinsstatistikDeutschland; Stand 2. September 2026, abgerufen am 25. September 2026. Juli 2026, Neugeschäft: Überziehungskredite 9,40 %, Konsumentenkredite effektiv 8,58 %.
  6. OeNB: Zinssätze für Einlagen und Kredite, BestandÖsterreich; Stand 4. September 2026, abgerufen am 25. September 2026. Juli 2026: revolvierende Kredite und Überziehungskredite privater Haushalte 5,72 %.
  7. Verbraucherzentrale Hamburg: DispozinsenDeutschland; Stand 2. Juni 2026, abgerufen am 25. September 2026. Bei dauerhaftem Dispo einen günstigen Ratenkredit suchen.
  8. AK Steiermark: Wenn die Bank den Überziehungsrahmen streichtÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Konto mit einem Kredit ausgleichen, Kreditzinsen deutlich niedriger.
  9. BGB § 504a: Beratungspflicht bei ÜberziehungDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Sechs Monate ununterbrochen, im Schnitt mehr als 75 % des Rahmens.
  10. BGB § 505: Geduldete ÜberziehungDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Mehr als drei Monate, mehr als die Hälfte des monatlichen Geldeingangs.
  11. Verbraucherzentrale: Schulden in Raten zahlenDeutschland; Stand 16. Oktober 2024, abgerufen am 25. September 2026. Tilgungsbestimmung: Hauptforderung, Zinsen, Kosten.
  12. Verbraucherzentrale NRW: Erste Schritte, wenn die Schulden drückenDeutschland; Stand 16. Juli 2026, abgerufen am 25. September 2026. Schon eine kleine Zahlung kann eine Forderung anerkennen.
  13. BGB § 195: Regelmäßige VerjährungsfristDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Drei Jahre.
  14. BGB § 199: Beginn der VerjährungDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Beginn mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.
  15. oesterreich.gv.at: VerjährungÖsterreich; Stand 1. August 2026, abgerufen am 25. September 2026. Drei Jahre für Lieferungen, Leistungen und Miete, 30 Jahre für Darlehen.
  16. BMJV: InkassoDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Bei unbestrittenen Forderungen im Regelfall Gebührensatz 0,9.
  17. Verbraucherzentrale: Inkasso-CheckDeutschland; Stand 13. Februar 2026, abgerufen am 25. September 2026. Inkassoforderungen kostenlos prüfen.
  18. RIS: Höchstsätze der Inkassoinstituten gebührenden VergütungenÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Verordnung BGBl. Nr. 141/1996.
  19. AK Niederösterreich: InkassoschreibenÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Inkassokosten nur, wenn notwendig und verhältnismäßig.
  20. Verbraucherzentrale: Das P-KontoDeutschland; Stand 29. Juni 2026, abgerufen am 25. September 2026. 1.590 € je Kalendermonat ab 1. Juli 2026, Umwandlung kostenlos, spätestens nach vier Geschäftstagen.
  21. ZPO § 850k: PfändungsschutzkontoDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Anspruch, das Zahlungskonto jederzeit als P-Konto führen zu lassen.
  22. BMJ Österreich: Existenzminimum 2026Österreich; Stand 2026, abgerufen am 25. September 2026. Allgemeiner Grundbetrag 1.308 € im Monat.
  23. RIS: § 292i ExekutionsordnungÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Aufhebung der Kontopfändung auf Antrag, Auszahlung frühestens 14 Tage nach Zustellung.
  24. meine-schulden.de: Anbieter von SchuldnerberatungDeutschland; Stand 9. Juli 2026, abgerufen am 25. September 2026. Rund 1.400 anerkannte Stellen, soziale Beratung kostenlos, Verbraucherzentralen teils 30 € für 30 Minuten.
  25. meine-schulden.de: StellensucheDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Filter für kostenfreie Beratung.
  26. Verbraucherzentrale: Unseriöse Schuldnerberatungen erkennenDeutschland; Stand 30. Juni 2025, abgerufen am 25. September 2026. Warnung vor Schuldenregulierern mit nur einer Rate.
  27. Insolvenzordnung § 287: Abtretungsfrist drei JahreDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Restschuldbefreiung nach drei Jahren.
  28. oesterreich.gv.at: AbschöpfungsverfahrenÖsterreich; Stand 23. Juli 2026, abgerufen am 25. September 2026. Tilgungsplan für Verbraucher mit Ablauf des 16. Juli 2026 außer Kraft, Abschöpfungsplan fünf Jahre.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Erst sparen oder erst Schulden zahlen?

Ein kleiner Puffer zuerst, damit die nächste Reparatur nicht wieder im Dispo landet. Dann die teuren Schulden abbauen und danach den Notgroschen auf die volle Höhe bringen.

Was, wenn ich die Rate diesen Monat nicht schaffe?

Melde dich vor der Fälligkeit beim Gläubiger und schlag eine kleinere Rate vor. An die SCHUFA darf eine Zahlungsstörung erst nach zwei schriftlichen Mahnungen gemeldet werden, frühes Reden schützt also auch deine Bonität.

Kostet eine Schuldnerberatung etwas?

Die staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich sind kostenlos. In Deutschland beraten soziale Stellen kostenlos, bei Verbraucherzentralen kann eine Gebühr anfallen.

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Die Rate als fester Posten.

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