Bevor du startest
Ein Sparplan ist der zweite Schritt, nicht der erste. Zuerst sollten teure Schulden wie der Dispo weg sein und ein Notgroschen auf dem Sparkonto liegen.
Die Verbraucherzentrale nennt als Richtwert Geld, das du in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich nicht brauchst: Nur davon kann ein Teil in Aktien-ETFs fließen. Die Grundlagen zu Streuung und Reihenfolge stehen im Beitrag „Geld anlegen: erst Notgroschen, dann Sparplan“.
Ein ETF ist ein Wertpapierfonds, der an der Börse gehandelt wird und meist einen Index wie den DAX nachbildet. Das Geld im Fonds ist Sondervermögen: Es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft und der Depotbank verwahrt.
Geht eine der beiden pleite, sind deine Anteile nicht betroffen. Vor Kursverlusten schützt das nicht.
So funktioniert ein Sparplan
Du brauchst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Onlinebroker. Dort legst du fest, welchen ETF du kaufen willst, wie viel und an welchem Tag, meist monatlich. Die Bank kauft dann automatisch. Steigen die Kurse, bekommst du für deinen Betrag weniger Anteile, fallen sie, bekommst du mehr.
Laut Finanztest bieten viele Anbieter Sparpläne schon ab 1 € im Monat an, andere erst ab 25 € oder mehr. Such dir eine Rate, die auch in einem teuren Monat noch passt.
Kosten, die bei kleinen Raten zählen
Laufende Kosten für Verwaltung und Verwahrung zahlt der Fonds direkt aus dem Fondsvermögen, sie mindern den Anteilswert. Im Datenblatt stehen sie oft als TER (Total Expense Ratio). Für ETFs nennt die Verbraucherzentrale meist 0,07 bis 0,3 % im Jahr.
Dazu kommen Kosten je Kauf und eventuell eine Depotgebühr. Manche Sparpläne sind laut Finanztest komplett gebührenfrei, bei anderen schmälern die Kosten die jährliche Rendite um mehr als einen Prozentpunkt.
Eine feste Gebühr pro Kauf trifft kleine Raten besonders: Im Beispiel unten sind es 6 % jeder Rate, bevor sich der Kurs überhaupt bewegt.
Vor dem Kauf bekommst du das Basisinformationsblatt, höchstens drei Seiten lang. Dort stehen empfohlene Haltedauer, Risiken, Szenarien und Kosten in einheitlicher Form. So kannst du Angebote vergleichen, ohne dich auf Werbung zu verlassen.
- Eingezahlt: zwölf Raten zu 25 €
- 300,00 €
- Gebühr: zwölfmal 1,50 €
- − 18,00 €
Tatsächlich in ETF-Anteilen angelegt282,00 €
Risiko und Anlagedauer
Aktienkurse schwanken. Laut Verbraucherzentrale gab es auch bei weltweit gestreuten ETFs schon Kursrückgänge um bis zu 50 %, und Verlustphasen dauerten historisch bis zu 15 Jahre. Finanztest rät deshalb, Sparpläne mindestens zehn Jahre laufen zu lassen, besser über mehrere Jahrzehnte.
Das Basisinformationsblatt ordnet jedes Produkt mit einem Gesamtrisikoindikator auf einer Skala von 1 bis 7 ein. Zahl nur Geld ein, das du auch nach einem Absturz nicht verkaufen musst. Wer beim ersten großen Minus verkauft, macht den Verlust endgültig.
Vorsicht bei Versprechen: Wer außergewöhnliche Gewinne in Aussicht stellt, verschweigt ein ebenso hohes Risiko. BaFin und FMA raten, bei Finfluencern auf Interessenkonflikte zu achten, viele verdienen an Provisionen.
Ausschüttend oder thesaurierend
Ausschüttende ETFs zahlen Erträge wie Dividenden meist vierteljährlich oder jährlich auf dein Konto. Thesaurierende ETFs legen sie im Fonds wieder an. Steuern fallen in beiden Fällen an, nur unterschiedlich berechnet. Wie, steht in den nächsten beiden Abschnitten.
Steuern in Deutschland
Auf Kapitalerträge fallen 25 % Abgeltungsteuer an, dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei Aktienfonds, die fortlaufend mehr als die Hälfte in Aktien anlegen, sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung).
Die ersten 1.000 € Kapitalerträge im Jahr bleiben frei (Sparer-Pauschbetrag), bei Zusammenveranlagung 2.000 €. Damit deine Bank nichts abzieht, gibst du ihr einen Freistellungsauftrag nach amtlichem Muster. Hast du mehrere Banken, darfst du den Betrag aufteilen, zusammen aber höchstens 1.000 €.
Bei thesaurierenden ETFs wird jedes Jahr eine Vorabpauschale versteuert: Wert zu Jahresbeginn mal 70 % des Basiszinses, höchstens aber der tatsächliche Wertzuwachs samt Ausschüttungen. Für 2026 liegt der Basiszins bei 3,20 %.
Die Vorabpauschale für 2026 gilt am 4. Januar 2027 als zugeflossen und wird mit deinem Freistellungsauftrag verrechnet.
Verdienst du so wenig, dass keine Einkommensteuer anfällt, kannst du beim Wohnsitzfinanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung beantragen. Dann zieht die Bank auch über 1.000 € hinaus nichts ab. Sie gilt höchstens drei Jahre. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 €.
Steuern in Österreich
Auf Kursgewinne, Ausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge von Fonds fallen 27,5 % Kapitalertragsteuer (KESt) an. Liegt dein Depot bei einer österreichischen Bank, zieht sie die KESt ab, damit ist die Steuer abgegolten. Sie gleicht Gewinne und Verluste innerhalb des Jahres automatisch aus.
Thesaurierende Fonds schütten nichts aus, versteuert werden trotzdem jährlich die ausschüttungsgleichen Erträge. Die Daten dafür meldet der Fonds an die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB), die eine Liste aller Meldefonds führt.
Prüf vor dem Kauf, ob dein ETF dort steht. Bei einem Nicht-Meldefonds wird pauschal besteuert: 90 % des Kursanstiegs im Jahr, mindestens aber 10 % des Rücknahmepreises am Jahresende.
Bei einem Depot im Ausland zieht niemand KESt ab. Die Erträge sind trotzdem steuerpflichtig, du gibst sie selbst in der Beilage E 1kv zur Steuererklärung an. Verdienst du wenig, kann die Regelbesteuerung günstiger sein; sie gilt aber nur für alle Kapitaleinkünfte zusammen.
Orientierung, keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Restklar empfiehlt keine Produkte und keine Anbieter. Zinsen, Beträge und Regeln ändern sich; maßgeblich sind Gesetz, Vertrag und die verlinkten Stellen. Die Steuerregeln gelten für in Deutschland oder Österreich unbeschränkt Steuerpflichtige, Stand 2026.
Quellen und Einordnung
Veränderliche Preise, Fristen und Regeln sind mit Prüfdatum und Geltungsbereich angegeben. Prüfe sie vor einer Entscheidung noch einmal bei der verlinkten Stelle.
- BaFin: ETFDeutschland; Stand 28. Mai 2026, abgerufen am 25. September 2026. Börsengehandelte Indexfonds, Basisinformationsblatt mit höchstens drei Seiten.
- Verbraucherzentrale: Vor- und Nachteile von ETFsDeutschland; Stand 21. Juli 2025, abgerufen am 25. September 2026. Sondervermögen, laufende Kosten meist 0,07 bis 0,3 %, Rückgänge bis 50 %, Verlustphasen bis 15 Jahre.
- FMA: InvestmentfondsÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Sondervermögen, getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft.
- BaFin: WertpapierfondsDeutschland; Stand 17. September 2026, abgerufen am 25. September 2026. Laufende Kosten werden aus dem Fondsvermögen bezahlt.
- Delegierte Verordnung (EU) 2017/653: BasisinformationsblattEU; konsolidierte Fassung 1. Januar 2023, abgerufen am 25. September 2026. Gesamtrisikoindikator auf einer Skala von 1 bis 7.
- Stiftung Warentest: ETF-Sparplan-VergleichDeutschland; Stand 16. September 2026, abgerufen am 25. September 2026. Raten ab 1 € oder ab 25 €, teils gebührenfrei, mindestens zehn Jahre Laufzeit.
- Verbraucherzentrale: Geldanlage und AltersvorsorgeDeutschland; Stand 21. Januar 2026, abgerufen am 25. September 2026. Aktien-ETFs nur mit Geld, das du in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich nicht brauchst.
- Verbraucherzentrale: ETF-Kauf, KriterienDeutschland; Stand 12. März 2026, abgerufen am 25. September 2026. Ausschüttend oder thesaurierend, Vorabpauschale und Freistellungsauftrag.
- BaFin: Anlagetipps in sozialen MedienDeutschland; Stand 11. Juni 2026, abgerufen am 25. September 2026. Außergewöhnliche Gewinne bedeuten außergewöhnliches Risiko, Finfluencer erhalten oft Provisionen.
- FMA: Likes statt LizenzÖsterreich; Stand 29. Jänner 2025, abgerufen am 25. September 2026. Interessenkonflikte und Gewinnversprechen von Finfluencern prüfen.
- EStG § 32d: AbgeltungsteuerDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. 25 % auf Kapitalerträge.
- Solidaritätszuschlaggesetz § 4Deutschland; abgerufen am 25. September 2026. 5,5 % der Bemessungsgrundlage.
- EStG § 20 Abs. 9: Sparer-PauschbetragDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. 1.000 €, bei Zusammenveranlagung 2.000 €.
- BMF: Muster FreistellungsauftragDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Verteilung auf mehrere Kreditinstitute bis zusammen 1.000 € beziehungsweise 2.000 €.
- EStG § 44a: Freistellungsauftrag und NV-BescheinigungDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. NV-Bescheinigung vom Wohnsitzfinanzamt, höchstens drei Jahre gültig.
- EStG § 32a: GrundfreibetragDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Ab 2026 bis 12.348 € keine Einkommensteuer.
- Investmentsteuergesetz § 18: VorabpauschaleDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. Rücknahmepreis zu Jahresbeginn mal 70 % des Basiszinses, begrenzt auf den Mehrbetrag.
- BMF: Basiszins zur Berechnung der Vorabpauschale 2026Deutschland; Schreiben vom 13. Januar 2026, abgerufen am 25. September 2026. Basiszins 3,20 %, Zufluss am 4. Januar 2027.
- Investmentsteuergesetz § 20: TeilfreistellungDeutschland; abgerufen am 25. September 2026. 30 % der Erträge aus Aktienfonds steuerfrei.
- oesterreich.gv.at: KapitalertragsteuerÖsterreich; Stand 20. Jänner 2026, abgerufen am 25. September 2026. 27,5 % für Kapitaleinkünfte, 25 % für Zinsen aus Geldeinlagen.
- BMF Österreich: Besteuerung von KapitalerträgenÖsterreich; Stand 1. Jänner 2026, abgerufen am 25. September 2026. Endbesteuerung durch KESt-Abzug, Auslandsdepot steuerpflichtig, Regelbesteuerung nur für alle Kapitaleinkünfte.
- BMF Österreich: VerlustausgleichÖsterreich; Stand 1. Jänner 2026, abgerufen am 25. September 2026. Automatischer Verlustausgleich durch die depotführende Stelle.
- RIS: § 186 Investmentfondsgesetz 2011Österreich; abgerufen am 25. September 2026. Nicht-Meldefonds: 90 % des Kursanstiegs, mindestens 10 % des Rücknahmepreises.
- OeKB: Steuerdaten von FondsÖsterreich; abgerufen am 25. September 2026. Meldestelle, Liste aller KESt-Meldefonds auf my.oekb.
- BMF Österreich: Beilage E 1kvÖsterreich; Version 27. Juni 2025, abgerufen am 25. September 2026. Ausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge ohne KESt-Abzug, 27,5 %.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Ab wie viel Geld lohnt sich ein ETF-Sparplan?
Viele Anbieter nehmen Raten ab 1 €, andere ab 25 €. Entscheidend sind die Kosten je Kauf: Bei kleinen Raten sollten sie möglichst niedrig sein, sonst frisst die Gebühr einen großen Teil jeder Rate.
Welchen ETF soll ich nehmen?
Restklar empfiehlt keine Produkte. Unabhängige Vergleiche veröffentlicht Stiftung Warentest, persönlich beraten die Verbraucherzentralen, zum Teil gegen Gebühr.
Muss ich in Österreich eine Steuererklärung machen?
Bei einem Depot bei einer österreichischen Bank meist nicht, die KESt ist dann abgegolten. Bei einem Depot im Ausland ja: Die Erträge gehören in die Beilage E 1kv.
Was passiert mit meinem Freistellungsauftrag bei thesaurierenden ETFs?
Die jährliche Vorabpauschale wird mit ihm verrechnet. Solange der Freistellungsauftrag reicht, zieht die Bank keine Steuer ab.
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