Die Reihenfolge: Schulden, Notgroschen, anlegen
Du hast am Monatsende ein paar Euro übrig und fragst dich, ob du „etwas mit ETFs“ machen solltest. Erst kommt die Reihenfolge. Teure Schulden zuerst: Für den Dispo zahlst du in Deutschland im Schnitt über 9 % Zinsen, und die fallen sicher an. Eine Anlage bringt dagegen nichts Sicheres.
Dann der Notgroschen: Geld für kaputte Waschmaschine, Zahnarzt oder Nachzahlung, jederzeit verfügbar auf einem Tagesgeld- oder Sparkonto. Eine gesetzliche Regel für die Höhe gibt es nicht.
Überleg, welche Rechnung unerwartet kommen könnte und wie viele Monate Fixkosten du überbrücken willst. Erst was darüber hinausgeht und du mehrere Jahre nicht brauchst, kommt für eine Anlage infrage.
ETF, Streuung und Risiko
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird und meist einen Index nachbildet, etwa die größten Unternehmen weltweit. Statt eine einzelne Aktie zu kaufen, kaufst du einen kleinen Teil vieler Unternehmen.
Das nennt man Streuung: Fällt ein Unternehmen, trifft es nur einen kleinen Teil deines Geldes.
Streuung schützt nicht vor Schwankungen des ganzen Marktes. Fällt der ganze Aktienmarkt, fällt auch ein breit gestreuter ETF, und es kann Jahre dauern, bis die Kurse sich erholen. Deshalb zählt der Zeithorizont: Wie lange kannst du das Geld liegen lassen, ohne es zu brauchen?
Kosten: die laufenden Kosten zählen mit
Jeder Fonds hat laufende Kosten, oft als TER (Total Expense Ratio) angegeben. Sie werden jedes Jahr vom Fondsvermögen abgezogen, du siehst sie auf keiner Rechnung. Dazu kommen Kosten für Depot und Kauf, je nach Bank.
Ein Unterschied von einem Prozentpunkt wirkt klein, über viele Jahre macht er viel aus. Im Rechenbeispiel kosten 0,2 % laufende Kosten in zehn Jahren 82,30 €, mit 1,8 % wären es 706,89 €.
Vergleiche vor dem Kauf das Basisinformationsblatt: Dort stehen die Kosten und das Risiko in einer einheitlichen Form.
- Eingezahlt: 120 Monate zu 50 €
- 6.000,00 €
- Angenommene Wertentwicklung, 5 % pro Jahr
- 1.718,16 €
- Laufende Kosten von 0,2 % pro Jahr
- − 82,30 €
Depotwert nach zehn Jahren, Annahme7.635,86 €
Steuern in Österreich und Deutschland
Österreich: Auf Kursgewinne, Dividenden und Fondsausschüttungen fallen 27,5 % Kapitalertragsteuer (KESt) an, auf Zinsen von Sparbuch und Konto 25 %. Bei einer österreichischen Bank wird die KESt direkt abgezogen, damit ist die Steuer erledigt.
Bei einem Depot im Ausland ohne KESt-Abzug musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben. Verdienst du wenig, kann die Regelbesteuerung günstiger sein: Die beantragst du in der Steuererklärung.
Deutschland: Kapitalerträge unterliegen 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 %, dazu eventuell Kirchensteuer. Die ersten 1.000 € im Jahr sind steuerfrei (Sparerpauschbetrag), wenn du deiner Bank einen Freistellungsauftrag gibst. Bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung).
Einlagensicherung fürs Sparkonto
Für den Notgroschen zählt Sicherheit, nicht Rendite. Einlagen auf Sparbuch, Tagesgeld- und Girokonto sind in Österreich und Deutschland bis 100.000 € je Person und Bank gesetzlich gesichert und werden im Ernstfall binnen sieben Arbeitstagen ausgezahlt.
Wertpapiere im Depot sind keine Einlagen, sie bleiben aber dein Eigentum, auch wenn die Bank pleitegeht.
Vorsicht bei Versprechen: Wer sichere hohe Renditen oder schnelles Geld verspricht, etwa in sozialen Medien, will meist etwas verkaufen. Die Finanzaufsichten FMA und BaFin warnen: Viele Follower und Likes sind kein Beweis für Qualität, und bezahlte Werbung wird oft nicht offengelegt.
Keine Anlageberatung und keine Produktempfehlung. Die Rechnung ist ein Beispiel mit Annahmen, keine Prognose. Wertpapiere können an Wert verlieren. Steuerregeln gelten für in Österreich oder Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtige, Stand 2026.
Quellen und Einordnung
Veränderliche Preise, Fristen und Regeln sind mit Prüfdatum und Geltungsbereich angegeben. Prüfe sie vor einer Entscheidung noch einmal bei der verlinkten Stelle.
- RIS: § 27a Einkommensteuergesetz 1988Österreich; Fassung seit 20. Juli 2024, abgerufen am 23. September 2026. 27,5 %, für Zinsen aus Geldeinlagen 25 %.
- BMF: Besteuerung von KapitalerträgenÖsterreich; abgerufen am 23. September 2026. Endbesteuerung, Regelbesteuerungsoption, Pflichtveranlagung ohne KESt-Abzug.
- EStG § 32d: AbgeltungsteuerDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. 25 % auf Kapitalerträge.
- EStG § 20 Abs. 9: Sparer-PauschbetragDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. 1.000 €, bei Zusammenveranlagung 2.000 €.
- Solidaritätszuschlaggesetz § 4Deutschland; abgerufen am 23. September 2026. 5,5 % der Abgeltungsteuer.
- Investmentsteuergesetz § 20: TeilfreistellungDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. 30 % der Erträge aus Aktienfonds steuerfrei.
- Einlagensicherung Austria: Gedeckte EinlagenÖsterreich; abgerufen am 23. September 2026. 100.000 € je Person und Bank, Auszahlung binnen sieben Arbeitstagen.
- BaFin: Einlagensicherung und AnlegerentschädigungDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. 100.000 € je Kunde und Bank, Auszahlung binnen sieben Arbeitstagen.
- BaFin: ETFDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. Marktpreisrisiko, Streuung, meist niedrigere Gebühren.
- BaFin: WertpapierfondsDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. Laufende Kosten werden aus dem Fondsvermögen bezahlt.
- BaFin: Anlagetipps in sozialen MedienDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. Kein sicheres, schnelles Geld; Likes sind kein Qualitätsbeweis.
- FMA: Was ist ein ETF?Österreich; abgerufen am 23. September 2026. Geringe laufende Kosten, Streuung über den Index.
- FMA: Finfluencer, Likes statt LizenzÖsterreich; abgerufen am 23. September 2026. Bezahlung oft nicht offengelegt, Versprechen raschen Reichtums meist unseriös.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Wie viel Notgroschen brauche ich?
Eine gesetzliche Regel gibt es nicht. Wichtig ist, dass du eine unerwartete Rechnung zahlen und ein paar Monate Fixkosten überbrücken kannst, ohne den Dispo zu nutzen.
Ab wie viel Geld kann ich einen Sparplan starten?
Viele Banken bieten Sparpläne schon ab kleinen Monatsbeträgen an. Achte auf Kosten je Ausführung, sie wiegen bei kleinen Beträgen schwerer.
Muss ich in Österreich für ETFs etwas in der Steuererklärung angeben?
Bei einer österreichischen Depotbank meist nicht, sie zieht die KESt ab. Bei einem ausländischen Depot musst du die Erträge selbst erklären. Im Zweifel hilft das Finanzamt.
In der App weiter
Der Sparplan als fester Posten.
Leg Notgroschen und Sparplan als Rücklage oder Sparziel an. Restklar zieht sie vor dem Alltag ab, damit sie nicht vom Monat aufgegessen werden.
Jahreskosten
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