Wie Vergleichsportale Geld verdienen

Du ziehst in die erste Wohnung und brauchst Strom, Internet und eine Haftpflicht. Ein Vergleichsportal zeigt dir in Sekunden eine Liste. Das ist praktisch, aber kostenlos ist es nur für dich: Viele Portale bekommen eine Provision vom Anbieter, wenn du über sie abschließt.

Das deutsche Bundeskartellamt hat Vergleichsportale untersucht. Bei Versicherungen fehlten teils wichtige Anbieter.

Bei Hotels beeinflusste die Höhe der Provision das Ranking, und bezahlte Plätze standen ganz oben. In Deutschland müssen Portale heute angeben, nach welchen Hauptkriterien sie sortieren und wie diese gewichtet sind.

Filter und Voreinstellungen selbst setzen

Die Standardansicht ist nicht neutral. Bei Versicherungen fehlen auf manchen Portalen wichtige Anbieter. Hol deshalb für einen großen Posten wie die Kfz-Versicherung zusätzlich ein Angebot direkt bei ein oder zwei Versicherern ein. Prüf vor dem Vergleich diese Punkte:

  • Zeigt das Portal alle Anbieter oder nur Partner? Manche Portale haben dafür einen eigenen Filter.
  • Sortierung auf den Gesamtpreis für zwölf oder 24 Monate stellen, nicht auf „Empfehlung“.
  • Tarife mit Vorauskasse, Kaution oder langer Bindung ausfiltern.
  • Bei Versicherungen: gleiche Leistung vergleichen, nicht nur die Prämie.
  • Anzeigen und hervorgehobene Angebote ganz oben können bezahlt sein.

Neukundenbonus gegen Folgejahrpreis

Viele Tarife werden mit einem Bonus im ersten Jahr nach oben gerankt. Ab dem zweiten Jahr zahlst du den vollen Preis. Rechne deshalb zwei Jahre und setz dir einen Termin, um vor der Verlängerung wieder zu vergleichen.

Im Beispiel wirkt Tarif A im ersten Jahr günstiger. Tarif B kostet ohne Bonus 540 € im Jahr, zusammen 1.080 € in zwei Jahren, also 20 € weniger als Tarif A. Wechselst du nach einem Jahr wieder, kann A trotzdem passen, aber nur mit Termin im Kalender.

Beispiel: Stromtarif mit NeukundenbonusFiktive Preise für eine kleine Wohnung. Tarif B kostet ohne Bonus 540 € im Jahr.
Tarif A, erstes Jahr
600,00 €
Neukundenbonus, nur im ersten Jahr
− 100,00 €
Tarif A, zweites Jahr ohne Bonus
600,00 €

Tarif A kostet in zwei Jahren1.100,00 €

Neutrale Vergleiche von Behörden und Kammern

Österreich: Der Tarifkalkulator der E-Control vergleicht Strom- und Gastarife. Der Bankenrechner der Arbeiterkammer ist die gesetzlich vorgesehene Vergleichsseite für Girokonten, unabhängig und werbefrei.

Für Handytarife hat die Regulierungsbehörde RTR Vergleichsportale zertifiziert, derzeit tarife.at und die Vergleiche der Arbeiterkammer.

Deutschland: Die Bundesnetzagentur erklärt, worauf du beim Strom- und Gaswechsel achten musst. Ein Wechsel des Stromanbieters ist für Haushaltskunden kostenlos.

Sie soll außerdem unabhängige Vergleichsportale für Energie und Telekommunikation zertifizieren, das Verfahren läuft noch. Die Verbraucherzentralen haben Checklisten zu Tarifwechsel und Versicherungen.

Checkliste vor dem Abschluss

Hast du einen Tarif gefunden, prüf ihn beim Anbieter selbst. Das Portal zeigt eine Zusammenfassung, maßgeblich sind die Vertragsunterlagen.

Bei Krediten gilt das besonders: Die Arbeiterkammer Steiermark fand 2025 bei 11 von 19 Banken Unterschiede zwischen Online-Rechner und echtem Angebot von bis zu 731 €.

  • Preis für zwölf und für 24 Monate, jeweils ohne Bonus.
  • Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und ob sich der Vertrag automatisch verlängert.
  • Einmalkosten wie Aktivierung, Router, Anschluss oder Kaution.
  • Wie und wann der Bonus ausgezahlt wird und was bei früher Kündigung passiert.
  • Termin im Kalender, einen Monat bevor die Bindung endet.

Orientierung, keine Beratung. Beträge, Tarife und Regeln ändern sich, maßgeblich sind dein Vertrag und die verlinkten Stellen.

Quellen und Einordnung

Veränderliche Preise, Fristen und Regeln sind mit Prüfdatum und Geltungsbereich angegeben. Prüfe sie vor einer Entscheidung noch einmal bei der verlinkten Stelle.

  1. Bundeskartellamt: Bericht zur Sektoruntersuchung VergleichsportaleDeutschland; Stand 11. April 2019, abgerufen am 23. September 2026. Marktabdeckung, Provision und bezahlte Plätze im Ranking.
  2. Bundesnetzagentur: VergleichsinstrumenteDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. Zertifizierung unabhängiger Vergleichsportale, Verfahren offen.
  3. UWG § 5b: Wesentliche Informationen, RankingDeutschland; abgerufen am 23. September 2026. Hauptparameter des Rankings müssen angegeben werden.
  4. Bundesnetzagentur: LieferantenwechselDeutschland; abgerufen am 23. September 2026 (Faktencheck 2026, Nr. 78). Wechsel kostenlos, Fristen des alten Vertrags.
  5. AK Steiermark: Kreditrechner im VergleichÖsterreich; Stand September 2025, abgerufen am 23. September 2026. Bis 731 € Unterschied zum echten Angebot.
  6. E-Control: TarifkalkulatorÖsterreich; abgerufen am 23. September 2026 (Faktencheck 2026, Nr. 81). Strom- und Gastarife vergleichen.
  7. AK Oberösterreich: AK-BankenrechnerÖsterreich; abgerufen am 23. September 2026 (Faktencheck 2026, Nr. 89). Gesetzlich vorgesehene Vergleichsseite für Konten.
  8. RTR: Zertifizierte Tarif- und AngebotsvergleicheÖsterreich; abgerufen am 23. September 2026. Zertifiziert: tarife.at und die AK-Vergleichsportale.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Sind Vergleichsportale schlecht?

Nein. Sie sind ein guter Start, wenn du Filter selbst setzt, den Preis ohne Bonus rechnest und das Ergebnis beim Anbieter selbst prüfst.

Muss ich über das Portal abschließen?

Nein. Du kannst den Tarif, den du gefunden hast, auch direkt beim Anbieter abschließen. Manchmal gibt es dort andere Boni. Vergleiche dann wieder den Gesamtpreis für zwei Jahre.

Warum ist der günstigste Tarif nicht auf Platz eins?

Weil die Standardsortierung oft nach „Empfehlung“ geht oder den Bonus einrechnet. Stell die Sortierung auf den Gesamtpreis ohne Bonus um.

Gibt es neutrale Vergleiche?

Ja: In Österreich E-Control für Energie, der AK-Bankenrechner für Konten und die von der RTR zertifizierten Handytarif-Vergleiche. In Deutschland helfen Bundesnetzagentur und Verbraucherzentralen.

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